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Nachhaltigkeitsberichte: Was sie bringen und wie sie gemacht werden

Für viele kleine und mittlere Unternehmen ist Nachhaltigkeit und verantwortliches Handeln nichts Neues, sondern schon lange fester Bestandteil des täglichen Handelns. Die Unternehmen müssen sich vielfach erst darüber bewusst werden, dass sie sich mit einer Nachhaltigkeitsstrategie und einem Nachhaltigkeitsbericht positionieren und so Wettbewerbsvorteile sichern können. Doch leider veröffentlichen gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) viel zu selten Nachhaltigkeitsberichte. Sie scheuen den Aufwand und lassen sich somit viele Chancen entgehen.

Ziele und Gründe: Was bringt ein Nachhaltigkeitsbericht?

Mit einem Nachhaltigkeitsbericht beweisen Sie, dass Sie es mit einer nachhaltigen Entwicklung ernst meinen. Sie dokumentieren Ihren Weg der Nachhaltigkeit und zeigen somit, dass Ihr Unternehmen in die Zukunft denkt und handelt. Ein Nachhaltigkeitsbericht motiviert Ihre Mitarbeiter. Er dient auch dazu neue, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, die Wert auf einen verantwortungsbewussten und zukunftsfähigen Arbeitgeber legen.
Ein Bericht erfüllt noch einen ganz anderen Zweck. Dadurch dass Ihr Unternehmen kontinuierlich Nachhaltigkeitsberichte erstellt und sich so – zwangsläufig – mit dem Thema auseinandersetzt, findet die Nachhaltigkeitsstrategie Niederschlag in der Unternehmenskultur und wird lebendig.

Herausforderungen und Probleme: Wie kommunizieren Sie Nachhaltigkeit richtig?

Ein Grundproblem ist, dass eine einheitliche Definition von Nachhaltigkeit fehlt. Die Komplexität von Nachhaltigkeit macht die ganze Sache nicht leichter. Die Kausalzusammenhänge sind schwierig und erfordern eine hohe Informationsdichte.
Ein Nachhaltigkeitsbericht ist keine werbewirksam gestaltete Broschüre. Es geht um eine ehrliche und glaubwürdige Darstellung der Unternehmensleistungen in punkto Nachhaltigkeit (siehe auch den Artikel "Wie sag ich’s meinen Kunden?"). Behalten Sie die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung und Bilanzierung bzw. die Prinzipien der Finanzberichterstattung im Kopf: Wahrheit, Vollständigkeit, Relevanz, Klarheit, Stetigkeit und Vergleichbarkeit. Diese Grundsätze gelten auch hier. Das bedeutet, Sie dokumentieren Positives, nämlich, was Sie erreicht haben. Und Sie sollten auch über Ihre Misserfolge sprechen, wo Sie hinter Ihren gesteckten Zielen zurückgeblieben sind und warum. Eine solche Offenheit ist für viele ungewohnt und wirkt zunächst abschreckend. Doch genau das schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit.
Als Unternehmen sehen Sie sich verschiedenen Anspruchsgruppen gegenüber (sog. Stakeholdern): Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, die breite Öffentlichkeit, gesellschaftliche Gruppierungen, Banken, Umweltorganisationen etc. Und jeder hat andere Erwartungen und Ansprüche an Ihr Unternehmen. Welche sind für Ihr Unternehmen am wichtigsten? Für diese Zielgruppen schreiben Sie Ihren Nachhaltigkeitsbericht. Um sie auch wirklich anzusprechen und die Informationsbedürfnisse zu erfahren, können Sie Ihre Stakeholder schon für die Berichtserstellung mit ins Boot holen.

Leitlinien und Vorgaben: Wie packen Sie das Thema am besten an?

Es gibt mittlerweile zum Glück eine Menge hilfreicher Literatur und weiterführender Webseiten. Verschiedene Institutionen haben Richtlinien, Leitfäden und Best Practices erstellt, die eine gute Orientierung bieten. Am Ende des Artikels finden Sie eine Auswahl. Am bekanntesten und umfangreichsten ist der Leitfaden der Global Reporting Initiative (GRI). Ziel von GRI ist es, für Nachhaltigkeitsberichte weltweit einen Rahmen vorzugeben und sie somit vergleichbar zu machen. Die GRI-Leitlinien sind sehr komplex. Um die Berichterstattung speziell für KMU zu vereinfachen, hat GRI ihren Leitfaden überarbeitet und ein Template erstellt. Hiermit können KMU einen Basisbericht verfassen.

So könnte der Prozess der Berichterstellung ablaufen

1. Sie identifizieren und bestimmen die relevanten Themen.
2. Sie erheben die dafür nötigen Daten.
3. Sie werten die Daten und die daraus erkennbaren Entwicklungen aus, diskutieren sie und bewerten sie.
4. Sie leiten daraus Maßnahmen ab, die Ihre Nachhaltigkeitsleistung künftig verbessern sollen.
5. Sie packen alles zusammen und erstellen daraus einen gut lesbaren, verständlichen Nachhaltigkeitsbericht. Viele Berichte nutzen mittlerweile die Vorteile des Internets. Zum einen können Sie den Bericht durch Audio- und Videosequenzen aufwerten und die Interdependenzen zwischen ökonomischen, gesellschaftlichen und ökologischen Aspekten besser darstellen. Zum anderen ist es auch möglich, zielgruppenspezifische Berichte zur Verfügung zu stellen bzw. jedem Interessierten zu ermöglichen, sich seinen eigenen Bericht zusammenzustellen. Denn eine Bank interessiert wahrscheinlich andere Bereiche als die Nachbarschaft.

Was sind die Kerninhalte?

Die grundlegenden Elemente sind folgende:

  • Unternehmensprofil

  • Strategie & Management

  • Betriebliche Aspekte des Umweltschutzes

  • Produktbezogene Aspekte des Umweltschutzes

  • Mitarbeiterbezogene Aspekte des Umweltschutzes

  • Aspekte der Verantwortung für Kunden und Lieferanten

  • Aspekte der Verantwortung gegenüber dem gesellschaftlichen Umfeld

  • Ökonomische Aspekte

  • Ziele und Maßnahmen

  • Ansprechpartner & Kontaktdaten

Ein Nachhaltigkeitsbericht ist nicht als isoliertes Werk zu betrachten, sondern muss in ein stimmiges Kommunikationskonzept eingebunden sein. Nur so haben alles etwas davon und Sie können Gewinn daraus ziehen.
 

Weiterführende Links und Downloads:

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Empfehlungen für eine gute Unternehmenspraxis. Hrsg. v. BMU

Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen: Status quo Report Deutschland 2007. Hrsg. v. BMU und UBA.

Ranking von Nachhaltigkeitsberichten aus dem Mittelstand
mit weiterführenden Informationen und Links.

GRI – Global Reporting Initiative